Kreditkartenvertrag widerrufen oder kündigen: Frist, Ablauf und Muster

Die Antwort
Ja, bei Abschluss im Internet, am Telefon oder per Post. Je nach Ausgestaltung gelten die Regeln für Verbraucherdarlehen oder für Finanzdienstleistungen, jeweils mit 14 Tagen Widerrufsfrist und verspätetem Fristbeginn bei fehlenden Pflichtangaben. Eine Kündigung ist nach § 675h BGB jederzeit möglich, sofern keine Frist vereinbart ist.
- JaWiderrufsrecht
- 14 TageFrist
- §§ 312c, 312g, 355, 356 Abs. 3, 356b, 357b, 495, 506, 675h BGBGrundlage
Fristbeginn: Die Frist beginnt nach Vertragsschluss, aber erst nach Erhalt der Vertragsbestimmungen und der gesetzlichen Pflichtangaben.
Eine Kreditkarte mit Bonusmeilen, ein Angebot im Online-Banking oder eine Karte im Paket mit dem Girokonto: Kartenverträge werden oft nebenbei abgeschlossen. Später fallen Jahresgebühr, Zinsen oder Teilzahlungsfunktion auf. Rechtlich gibt es zwei Konstruktionen, die du unterscheiden solltest. Bei der echten Charge-Karte wird der Betrag am Monatsende vollständig abgebucht, bei der Revolving-Variante kannst du Teilbeträge zahlen und Zinsen entstehen. Davon hängt ab, welche Widerrufsregeln gelten. Wir erklären dir Frist, Fristbeginn und Rückabwicklung, zeigen die Unterschiede zur Kündigung und geben dir ein Musterschreiben mit Platzhaltern an die Hand. Zum Schluss findest du Antworten auf typische Fragen und Hinweise zu unberechtigten Abbuchungen. Lies zuerst die Kurzantwort oben.
Rechtslage
Wird ein Kreditkartenvertrag im Fernabsatz (§ 312c BGB) geschlossen, ist er ein Vertrag über Finanzdienstleistungen und berechtigt zum Widerruf nach § 312g Abs. 1 BGB mit einer Frist von 14 Tagen (§ 355 Abs. 2 BGB). Der Fristbeginn setzt voraus, dass du die Vertragsbestimmungen samt AGB erhalten hast und die Bank dich nach Art. 246b § 2 Abs. 1 EGBGB unterrichtet hat (§ 356 Abs. 3 Satz 2 BGB). Räumt die Karte einen Kredit ein, etwa durch eine Teilzahlungsfunktion, gelten über § 506 BGB die Vorschriften für Verbraucherdarlehen entsprechend, und das Widerrufsrecht folgt aus § 495 BGB, die Frist beginnt dann nach § 356b BGB erst mit den Pflichtangaben. Die Rückabwicklung regelt § 357b BGB mit einer Frist von 30 Tagen. Das Widerrufsrecht erlischt bei Finanzdienstleistungen, wenn der Vertrag auf deinen ausdrücklichen Wunsch beiderseits vollständig erfüllt ist (§ 356 Abs. 5 Nr. 4 BGB). Die Kündigung ist davon zu trennen: Nach § 675h BGB kannst du den Zahlungsdiensterahmenvertrag jederzeit ohne Frist kündigen, wenn keine vereinbart ist, eine Frist von mehr als einem Monat ist unwirksam. Regelmäßig erhobene Entgelte sind nur anteilig bis zur Beendigung zu zahlen, im Voraus gezahlte Entgelte werden anteilig erstattet (§ 675h Abs. 3 BGB). Bei unautorisierten Zahlungen gelten daneben die Erstattungsregeln der §§ 675u ff. BGB.
Ausnahmen und Erlöschen
- Bei Beantragung in der Filiale gibt es kein gesetzliches Widerrufsrecht, nur die Kündigung.
- Hast du die Karte bereits intensiv genutzt, kann das Recht erlöschen, wenn der Vertrag auf deinen Wunsch vollständig erfüllt ist.
- Bei reinen Debitkarten zum Girokonto richtet sich der Widerruf nach dem Kontovertrag.
- Bereits ausgeführte Zahlungen bleiben bestehen und sind auszugleichen.
So gehst du vor
- Kartentyp klären. Prüfe, ob deine Karte vollständig am Monatsende abgebucht wird oder eine Teilzahlungsfunktion mit Zinsen hat. Das entscheidet, ob die Regeln für Finanzdienstleistungen oder für Verbraucherdarlehen gelten.
- Unterlagen und Fristbeginn prüfen. Sammle Antrag, Vertragsbestimmungen, AGB, Preis- und Leistungsverzeichnis und Widerrufsbelehrung. Notiere das Datum des Erhalts. Fehlen Pflichtangaben, beginnt die Frist später. Hebe die Bestätigung der Bank auf.
- Widerruf in Textform senden. Sende den Widerruf per E-Mail oder Brief an die Anschrift, die in der Belehrung steht, mit Kartennummer ohne volle Ziffern und Kundennummer. Bitte um Bestätigung des Eingangs, damit du einen Nachweis hast.
- Karte sperren und offene Beträge klären. Sperre die Karte und kläre offene Umsätze. Bereits angefallene Zahlungen musst du ausgleichen. Prüfe, ob Abos oder Reservierungen an die Karte gebunden sind, und stelle diese auf ein anderes Zahlungsmittel um.
- Erstattung nachhalten. Die Bank muss Entgelte binnen 30 Tagen erstatten. Prüfe die Höhe und widerspreche ungerechtfertigten Abzügen schriftlich. Bei Streit hilft die Schlichtungsstelle der Bank oder die Verbraucherzentrale.
Frist für diesen Vertrag berechnen
Musterschreiben
Betreff: Widerruf meines Kreditkartenvertrags, Kunden-Nr. [Nummer]
Guten Tag, mit diesem Schreiben widerrufe ich meine am [Datum] abgegebene Vertragserklärung zum Kreditkartenvertrag mit der Kundennummer [Nummer]. Die Vertragsunterlagen habe ich am [Datum] erhalten. Die Karte wurde nicht auf meinen ausdrücklichen Wunsch vollständig erfüllt. Bitte bestätigen Sie den Widerruf in Textform, sperren Sie die Karte und erstatten Sie bereits gezahlte Entgelte von [Betrag] binnen 30 Tagen auf mein Konto [IBAN]. Offene Umsätze rechnen Sie bitte transparent ab. Freundliche Grüße [Name] [Datum]
Was nach dem Widerruf passiert
Nach dem Widerruf müssen beide Seiten die empfangenen Leistungen innerhalb von 30 Tagen zurückgewähren (§ 357b BGB). Die Bank erstattet dir gezahlte Jahresgebühren und Entgelte, soweit sie nicht für die Zeit der Nutzung bis zum Widerruf angemessen sind. Für die bis zum Widerruf erbrachte Dienstleistung kann sie Wertersatz verlangen, wenn du auf diese Rechtsfolge hingewiesen wurdest und ausdrücklich zugestimmt hast, dass sie vor Ende der Widerrufsfrist beginnt (§ 357b Abs. 2 BGB). Offene Kartenumsätze musst du bezahlen, denn sie sind unabhängig davon entstanden. Hast du einen eingeräumten Kredit genutzt, zahlst du ihn mit Zinsen für die Zeit der Inanspruchnahme zurück. Danach ist die Karte zurückzugeben oder zu vernichten. Abonnements, die über die Karte laufen, musst du umstellen oder kündigen, sonst entstehen Rückbuchungen und Ärger.
| Frage | Deutschland | Österreich | Schweiz |
|---|---|---|---|
| Kann man im Netz Geschlossenes widerrufen? | Ja, 14 Tage | Ja, Rücktritt nach dem FernFinG, 14 Tage | Nein, ein allgemeines Recht besteht nicht |
| Kündigung durch Kunden | Jederzeit, höchstens ein Monat Frist, § 675h BGB | Nach den Vertragsbedingungen | Nach den Vertragsbedingungen |
| Rechtsgrundlage | §§ 312g, 356, 675h BGB | FernFinG | Vertragsbedingungen, OR |
Häufige Fragen
Ist ein Kreditkartenvertrag ein Kredit?
Es kommt auf die Gestaltung an. Bei der Charge-Karte wird der Betrag einmal im Monat vollständig abgebucht, das ist ein Zahlungsdienst. Bei Teilzahlungsfunktion mit Zinsen räumt dir die Bank einen Kredit ein, dann gelten die Regeln für Verbraucherdarlehen entsprechend. Prüfe deine Vertragsbedingungen genau.
Wann kann ich widerrufen?
Innerhalb von 14 Tagen, wenn du den Vertrag im Fernabsatz geschlossen hast. Die Frist beginnt erst, wenn dir die Vertragsbestimmungen samt AGB zugegangen sind und die Bank dich ordnungsgemäß unterrichtet hat. Hast du die Karte schon genutzt, kann das Recht erlöschen, wenn alle Leistungen vollständig erfüllt sind.
Wie kündige ich die Karte?
Nach § 675h BGB jederzeit ohne Frist, sofern keine Kündigungsfrist vereinbart ist. Eine längere Frist als einen Monat ist unwirksam. Regelmäßige Entgelte zahlst du nur anteilig bis zur Beendigung, im Voraus gezahlte Entgelte werden anteilig erstattet. Die Bank darf für die Kündigung kein Entgelt verlangen.
Was passiert mit offenen Umsätzen?
Sie bleiben bestehen und müssen beglichen werden, auch wenn du den Vertrag widerrufst oder kündigst. Prüfe die Abrechnung und stelle laufende Abos oder Reservierungen auf ein anderes Zahlungsmittel um. Unberechtigte Belastungen kannst du nach den Regeln für nicht autorisierte Zahlungen zurückfordern.
Was tun bei unberechtigten Abbuchungen?
Melde sie unverzüglich der Bank. Bei nicht autorisierten Zahlungsvorgängen muss die Bank dir den Betrag grundsätzlich erstatten, wenn du sie zeitnah anzeigst. Sperre die Karte und lass dir eine Reklamationsnummer geben. Die Fristen sind knapp, damit du nichts verlierst, handele früh.
Quellen und Stand
Zuletzt geprüft: 2026-10-03
- www.gesetze-im-internet.de
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