Probeabo und Gratis-Test beenden: Widerruf, Kündigung und Muster

Die Antwort
Teilweise. Auch ein kostenloser Test kann ein Vertrag sein, den du binnen 14 Tagen widerrufen darfst, sofern er online oder telefonisch zustande kam. Meist ist das Hauptproblem der automatische Übergang in ein bezahltes Abo. Dagegen hilft die rechtzeitige Kündigung, nicht zuverlässig der Widerruf, weil die Frist oft schon abgelaufen ist.
- TeilweiseWiderrufsrecht
- 14 TageFrist
- §§ 312, 312c, 312g, 312j, 355, 356 BGBGrundlage
Fristbeginn: Die Frist beginnt mit dem Vertragsschluss über den Test, nicht mit dem Start der Bezahlphase.
Dreißig Tage kostenlos, danach monatlich bezahlen: Gratis-Tests sind beliebt, aber auch ein Klassiker bei ungewollten Verträgen. Wer das Ende der Testphase vergisst, sitzt plötzlich in einem kostenpflichtigen Abo. Rechtlich ist das nicht immer unbedenklich, denn viele Anbieter müssen vor der Zahlungspflicht klar informieren. Hier erfährst du, wann auch ein kostenloser Test ein Vertrag ist, ob du ihn widerrufen kannst und warum die Frist oft schon abgelaufen ist, wenn die Rechnung kommt. Wir klären außerdem, was die Buttonlösung für Bestellungen bedeutet und wie du dich nach einer ungewollten Verlängerung wehrst. Zum Schluss bekommst du ein Musterschreiben, das du mit deinen eigenen Angaben ergänzt, und Hinweise, wie du Zahlungen zurückholst.
Rechtslage
Verbraucherverträge, bei denen du einen Preis zahlst oder personenbezogene Daten bereitstellst, fallen nach § 312 Abs. 1 und 1a BGB unter die Vorschriften zum Verbraucherschutz im Fernabsatz. Ein Gratis-Test kann deshalb ein Vertrag sein, den du binnen 14 Tagen widerrufen kannst (§§ 312g, 355 BGB). Die Frist beginnt mit dem Vertragsschluss über den Test. Das Problem: Läuft der Test länger als 14 Tage, ist die Widerrufsfrist vorbei, bevor die Bezahlphase beginnt. Ob der Übergang in das bezahlte Abo ein neuer Vertrag ist und ein neues Widerrufsrecht auslöst, hängt vom Einzelfall ab und wird nicht einheitlich beurteilt. Kostenlose Leistungen erlöschen: Bei einem Vertrag ohne Zahlungspflicht erlischt das Recht, wenn die Dienstleistung vollständig erbracht ist (§ 356 Abs. 5 Nr. 1 BGB), bei digitalen Inhalten, wenn der Anbieter mit der Erfüllung begonnen hat (§ 356 Abs. 6 Nr. 1 BGB). Für entgeltliche Bestellungen im Netz gilt außerdem die Buttonlösung: Ein Vertrag kommt nur zustande, wenn die Schaltfläche eindeutig mit „zahlungspflichtig bestellen“ oder gleichwertig beschriftet ist (§ 312j Abs. 3 und 4 BGB). Wichtig ist die Unterscheidung zur Kündigung: Sie beendet das Abo nur für die Zukunft und muss fristgerecht vor Ende der Testphase erfolgen. Bei Online-Abschluss gilt der Kündigungsbutton (§ 312k BGB).
Ausnahmen und Erlöschen
- Ist der Test wirklich vollständig kostenlos und ohne Zahlungsverpflichtung, kann das Widerrufsrecht schon mit der vollständigen Leistung erlöschen.
- Beginn der Bezahlphase ohne klare Information über den Preis kann zu einem unwirksamen Vertrag führen, dann musst du nichts zahlen.
- Verpasst du die Frist für die Kündigung, läuft das Abo in der Regel zum nächsten Termin weiter.
- Wurde der Vertrag im Geschäft abgeschlossen, besteht kein gesetzliches Widerrufsrecht.
So gehst du vor
- Testbeginn und Testende notieren. Trage den Starttag und das Ende der Testphase in den Kalender ein, mit Erinnerung zwei Tage vorher. Das Datum steht in der Bestätigungsmail oder im Kundenkonto, speichere beides ab.
- Bestellseite und Preisangaben sichern. Mache einen Screenshot der Bestellseite, des Buttons und der Preisinformationen. Prüfe, ob klar angegeben war, wann und in welcher Höhe ein Preis fällig wird, denn Unklarheiten helfen dir später als Argument.
- Rechtzeitig kündigen. Kündige in Textform oder über den Kündigungsbutton noch vor Ende der Testphase und bitte um eine Bestätigung des Endtermins. Hebe sie auf. Wer erst am letzten Tag kündigt, riskiert Zustellprobleme.
- Bei ungewollter Verlängerung widerrufen und widersprechen. Erkläre Widerruf und hilfsweise Kündigung, bestreite die Zahlungspflicht und verlange Rückzahlung. Nenne die Bestelldaten, die fehlenden Hinweise auf den Preis und setze eine Frist von zwei Wochen.
- Zahlung zurückholen. Bleibt die Erstattung aus, wende dich an die Verbraucherzentrale. Bei Lastschrift kannst du nach den Regeln deiner Bank widersprechen, das ist zeitlich befristet. Bei Kartenzahlung hilft unter Umständen ein Chargeback.
Frist für diesen Vertrag berechnen
Vorlage zum Kopieren
Betreff: Widerruf und Kündigung meines Probeabos, Konto [E-Mail-Adresse]
Guten Tag liebes Team, ich habe am [Datum] bei Ihnen online einen Test von [Produkt] begonnen. Diesen Vertrag und alle daraus abgeleiteten Verpflichtungen widerrufe ich. Hilfsweise kündige ich zum nächstmöglichen Termin. Ich bestreite, dass ein kostenpflichtiges Abonnement zustande gekommen ist, da ich nicht ausreichend über die Zahlungspflicht informiert wurde. Bitte bestätigen Sie mir diese Erklärung schriftlich und erstatten Sie am [Datum] abgebuchte Beträge auf mein Konto [IBAN]. Mit besten Grüßen [Name] [Telefonnummer] [Datum]
Was nach dem Widerruf passiert
Bei einem wirksamen Widerruf erstattet der Anbieter gezahlte Beträge spätestens nach 14 Tagen (§ 357 BGB). Bei kostenlosen Tests entsteht in der Regel gar nichts, was erstattet werden müsste, solange du keine Zahlung geleistet hast. Hast du eine Gebühr für die Zeit nach dem Test gezahlt, ist sie zurückzufordern, wenn kein wirksamer Vertrag zustande kam. Wertersatz für die kostenlose Nutzung schuldest du nicht. Bei digitalen Inhalten ohne Datenträger ist er nach § 357a Abs. 3 BGB ausgeschlossen. Gelieferte Ware aus dem Testpaket schickst du zurück, wenn der Anbieter das verlangt. Dein Konto wird gelöscht oder auf eine gratis nutzbare Stufe herabgestuft.
| Frage | Deutschland | Österreich | Schweiz |
|---|---|---|---|
| Widerruf nach Abschluss im Webshop? | Ja, 14 Tage nach Vertragsschluss | Ja, 14 Tage nach FAGG | Nein, ausgenommen Haustür- und Telefonverträge |
| Widerruf bei Abschluss im Geschäft? | Nein | Nein | Nein |
| Rechtsgrundlage | §§ 312g, 355, 312j BGB | FAGG (Bundesgesetz) | OR, Art. 40a ff. |
Häufige Fragen
Ist ein kostenloser Test überhaupt ein Vertrag?
Oft ja. Auch bei kostenlosen Leistungen kann ein Vertrag zustande kommen, besonders wenn du personenbezogene Daten bereitstellst. Dann gelten die Verbraucherregeln, auch das Widerrufsrecht. Anders ist es, wenn nichts vereinbart wird, etwa bei bloßen Gratisproben. Lies die Bedingungen und achte auf die Beschreibung der Testphase und der Kosten danach.
Muss ich nach dem Test zahlen, wenn ich nicht kündige?
Das hängt vom Vertrag. Hat dich der Anbieter vor Bestellung klar über den Übergang und die Kosten informiert und wurde der Button korrekt beschriftet, kann die Zahlungspflicht entstehen. Fehlt es an klaren Hinweisen, kann der Vertrag unwirksam sein. Prüfe Bestellseite und Bestätigungsmail genau.
Was bedeutet die Buttonlösung?
Bei kostenpflichtigen Bestellungen im Internet muss die Schaltfläche, mit der du die Bestellung abschließt, gut lesbar mit „zahlungspflichtig bestellen“ oder einer entsprechend eindeutigen Formulierung beschriftet sein. Ist das nicht der Fall, kommt nach § 312j Abs. 4 BGB kein Vertrag zustande. Das kann dir bei ungewollten Abos helfen.
Kann ich nach der Testphase noch widerrufen?
Wenn die Bezahlphase als neuer Vertrag gilt, kann ein neues Widerrufsrecht entstehen, das ist aber nicht sicher. Häufig ist die Frist des ursprünglichen Vertrags abgelaufen. Die rechtliche Bewertung ist uneinheitlich. Erkläre vorsorglich Widerruf und Kündigung, fordere Erstattung und lass dich bei höheren Beträgen beraten.
Wie vermeide ich eine ungewollte Verlängerung?
Trage das Ende der Testphase in den Kalender ein und kündige am besten sofort nach dem Start, sofern der Test bis zum Ende nutzbar bleibt. Prüfe die Bedingungen darauf, ob das gekündigte Abo bis zum Testende weiterläuft. Nutze nach Möglichkeit den Kündigungsbutton und speichere die Bestätigung.
Quellen und Stand
Zuletzt geprüft: 2026-10-03
- www.gesetze-im-internet.de
- www.gesetze-im-internet.de
- www.gesetze-im-internet.de
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