Widerrufsrecht in Deutschland

- 14 TageFrist
- jaEU-Mitglied
- DELändercode
Gesetz: Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), §§ 312b bis 312k und §§ 355 bis 357a
Überblick
Für Käufe in Deutschland gelten die §§ 312b bis 312k und die §§ 355 bis 357a BGB. Wer im Netz bestellt, kann den Vertrag binnen 14 Tagen ohne Begründung widerrufen, beim Warenkauf gerechnet ab dem Tag, an dem du die Ware erhalten hast. Dahinter steht die Richtlinie 2011/83/EU, die in allen Mitgliedstaaten dieselbe Grundfrist vorsieht. Dieser Eintrag dient dir als Vergleichsmaßstab für alles, was du bei ausländischen Shops erlebst. Richtet ein Händler aus einem anderen Land sein Angebot erkennbar an Kunden in Deutschland, bleiben dir nach Artikel 6 der Rom-I-Verordnung die zwingenden deutschen Verbraucherrechte auch dann erhalten, wenn die Geschäftsbedingungen ein fremdes Recht vorschreiben. Neu ist die elektronische Widerrufsfunktion nach § 356a BGB, die nach der Darstellung des Europäischen Verbraucherzentrums ab dem 19. Juni 2026 gilt: Shops, die Verträge über eine Online-Oberfläche anbieten, müssen eine klar beschriftete Möglichkeit bereithalten, den Widerruf dort direkt zu erklären. Fehlt dieser Button, bleibt dein Widerrufsrecht bestehen, du kannst dann zum Beispiel per E-Mail widerrufen.
Besonderheiten
- Die Widerrufsfrist beginnt nicht, bevor der Unternehmer ordnungsgemäß über das Widerrufsrecht informiert hat, und erlischt spätestens zwölf Monate und 14 Tage nach dem Fristbeginn (§ 356 Abs. 3 und 4 BGB).
- Bei Finanzdienstleistungen gilt diese Höchstfrist nicht, wenn über das Widerrufsrecht nicht belehrt wurde.
- Die Ausnahmen vom Widerrufsrecht stehen in § 312g Abs. 2 BGB, etwa Maßanfertigungen und schnell verderbliche Waren.
Hilfe bei Streit mit einem Händler
Das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland ist die Anlaufstelle für Menschen mit Wohnsitz in Deutschland, die Streit mit einem Händler aus einem anderen EU-Land, aus Island, Norwegen oder dem Vereinigten Königreich haben. Gegen Firmen mit Sitz in Deutschland wird es nicht tätig. Hier helfen dir die Verbraucherzentralen der Länder und die Schlichtungsstellen nach dem Verbraucherstreitbeilegungsgesetz. Außerdem unterstützt das Zentrum bei der Suche nach einer Schlichtungsstelle in einem anderen Land.
Häufige Fragen
Wann beginnt in Deutschland die Widerrufsfrist beim Online-Kauf?
Bei einem normalen Warenkauf beginnt sie, sobald du oder eine von dir benannte Person die Ware erhalten hat. Bestellst du mehrere Artikel getrennt voneinander in einer Bestellung, zählt der Erhalt der letzten Ware. Voraussetzung ist, dass der Händler dich ordnungsgemäß über dein Widerrufsrecht informiert hat.
Muss ich einen Grund für den Widerruf nennen?
Nein. Nach § 355 Abs. 1 BGB muss der Widerruf keine Begründung enthalten. Es genügt, wenn aus deiner Erklärung eindeutig hervorgeht, dass du den Vertrag widerrufen willst. Zur Fristwahrung reicht es aus, den Widerruf rechtzeitig abzusenden. Eine Begründung kann sinnvoll sein, wenn du Streit vermeiden willst, ist aber nie Pflicht.
Gilt das deutsche Widerrufsrecht auch bei Shops aus dem Ausland?
Oft ja. Wendet sich der ausländische Händler erkennbar an Kunden in Deutschland, bleiben dir die zwingenden deutschen Verbraucherrechte nach der Rom-I-Verordnung erhalten. Eine Klausel in den AGB, die ein anderes Recht wählt, nimmt dir diesen Schutz nicht. Im Einzelfall kann es auf die genauen Umstände ankommen.
Quellen und Stand
Zuletzt geprüft: 2026-10-03
Recherche und Pflege: Redaktion Widerrufe.de. Fehler gefunden? Schreib uns, wir prüfen und korrigieren.